Am 4. 9. 1978 erblickte ich in Friedrichroda das Licht dieser Welt. Im am Thüringer Wald gelegenen Waltershausen verbrachte ich meine Kindheit. Ausgedehnte Wanderungen zur Hohen Tanne, zum Inselsberg und nahe der Wartburg, färbten das Kolorit meiner ersten Lebensjahre. Zwischen Farnen, Moosbettlandschaften, Buschgeflechten aus Heidekraut und Heidelbeer, unter Blätterdächern aus Fichten und Buchen, umgeben von Sedimenten aus Muschelkalk und Felsprofilen aus Porphyr und Granit, durfte ich einen vielgestaltigen Assoziationshorizont bilden. Meine innere Bilderwelt war erfüllt von Märchen und fantastischen Erzählungen, die mir meine Mutter authentisch vortrug. Überhaupt genoss ich viel Freiraum, der sich in unserem, unterhalb des Jagdschlosses Tenneberg sich hinabstreckenden, wilden Terrassengarten im Spiel entlud. Die familiären Schwierigkeiten durch meinen tyrannischen Vater und massive Alkoholprobleme meiner Großeltern, senkten bald einen nachdenklichen Zug in meinen Charakter.
Die Schulzeit verbrachte ich intensiv mit Zeichnen. Die Tischbänke eigneten sich hervorragend für Skizzen aller Art. Zunächst beschäftigte mich der Alterungsprozess des Mannes, eine Vielzahl von Karikaturen, Grotesken kam nach und nach hinzu. Mein Hausaufgabenheft glich von der Strichbreite her einem tätowierten Körper. In der Pubertät kam dann das zeichnerische Interesse für Frauen hinzu, was mir ein gewisses Prestige in der männlich dominierten Klasse einbrachte. Ab dem 17. Lebensjahr widmete ich mich Naturstudien, mein ganzer Duktus wurde ernster. Durch meine Hingabe an die Band „The Cure“ wurde aus dem Ernst Düsterkeit, die in einigen fantastischen Grafiken dieser Zeit zum Ausdruck kommen.
1995 ging ich an die Fachoberschule für Gestaltung nach Bad Salzungen. In zwei Jahren wurde ich gestalterisch und begrifflich näher an die Kunst herangeführt. Im Internat in Merkers erlebte ich im Umfeld der Holzbildhauerlehrlinge erstmals so etwas wie eine lebendige Kultur, die meine Isolation in Frage stellte. Im frühgenialen Christoph Paulick, der lyrisch, grafisch und musikalisch tätig war, lernte ich den menschliche Austausch schätzen und in die Tiefe führen. 1996 entstand mein erstes Gedicht, einer unglücklichen Liebe gewidmet. Das Dichten sollte von nun an einen Stellenwert in meinem Leben haben.
1997 erwog ich den Gedanken in das malerische Eisenach zu ziehen. Ich versuchte mich im Sommer als Porträtzeichner in der Karlsstraße, entschied mich dann aber Ende des Jahres für Erfurt. In diese Zeit fiel meine erste Phase der „Inspiration“ und ich arbeitete lang und intensiv nach inneren Bildern. Dies führt mich in die Nähe von Arbeiten Salvador Dalis, mit dessen Werk ich mich eingehend beschäftigte und es regelrecht verschlang. Nach einer ersten Zeit reicher menschlicher Begegnung in Erfurt, entfremdet mich die „kritisch-paranoische Methode“ Dalis von meinem Umfeld, nach der ich nun versuchte zu arbeiten. 1998 stellte ich diese Arbeiten aus. Da ich überhöhte Erwartungen hatte und mir die soziologische Perspektive fehlte, warf mich die Reaktion der Menschen in eine Krise. Ich erhoffte mir in der Beziehung von „Kunst und Wahn“ neue Schaffenskraft zu finden und bewarb mich um eine Zivildienststelle in der geschlossenen Psychiatrie für Erwachsene. Meine Erwartungen hier inspiriert zu werden, entpuppten sich jedoch als Illusion. Während dieser Zeit sind immerhin eine Reihe von Patientenportraits, gegen den Widerstand der Krankenschwestern, entstanden, welche das Leiden, die Verwirrung, aber auch die unmittelbare menschliche Nähe zeigen. Verstärkt half mir das Dichten über diese schwierige Zeit hinwegzukommen. Allmählich beschäftigte ich mich mit dem Symbolismus. Die Ergebnisse machte ich 1999 in den Ausstellungen „Im Spiegelkreuz“ und 2000 „Das Geheimnis“ der Öffentlichkeit zugänglich. Die persönliche Abhängigkeit der Resonanz, Sinnfragen und die Ablehnung mehrere Kunsthochschulen führten zu einem schrittweisen Versiegen des Schaffens. Das Studium des Sozialwesen ab Oktober 1999 gab mir die Ruhe und das soziale Umfeld eine intellektuelle Entwicklung zu machen, in der die Frage nach dem Künstlerischen jedoch weiter bestehen blieb. Über die Erfurter Grafikerin und Glaskünstlerin Winifried Zielonka erhielt ich Kontakt zur Anthroposophischen Gesellschaft Erfurt und wurde mit dem Werk Rudolf Steiners konfrontiert. Nach heftigen inneren Auseinandersetzungen begann ich dessen esoterisch dargelegten Weg zu gehen. Dieser führte mich zum „erweiterten Kunstbegriff“ von Joseph Beuys, den ich begeistert versuchte zu verstehen. Nachdem ich in einer Jugendeinrichtung während meines Praktikums keinen Platz für das Experimentieren in dieser Richtung fand, fasste ich den Entschluss an eine der Wirkungsstätten von Joseph Beuys zu gehen: Das Internationale Kulturzentrum Achberg. Im Laufe der Zeit stellte sich jedoch heraus, dass aufgrund der dominanten Stellung des Leiters der Einrichtung ein „sozialkünstlerisches“ Arbeiten unmöglich war. 2001 nach Erfurt zurückgekehrt freundete ich mich mit dem angehenden Kunstlehrer Karsten Raimann an, der mich für das plastische Element begeisterte und mit dem ich ausgiebige kunsttheoretische Dispute führte. Da bekam ich meine Inspiration der „Lichtorganik“, deren Ausgestaltung ich mich seitdem annähere. Bis 2005 studierte ich und konnte dementsprechend nur begrenzt künstlerisch arbeiten. Ich setzte es mir trotzdem zum Ziel kontinuierlich im Schaffensprozess zu bleiben und wenigstens einmal im Jahr eine Ausstellung zu machen (siehe Ausstellungen). Mein bildkünstlerisches Vorankommen wurde nicht erleichtert, indem ich weiterhin verschiedene philosophische/ spirituelle Fragen bearbeitete und auch eine Neigung zu aphoristischer Beschäftigung/ Tätigkeit fasste. Bereichernd für das eigene lyrische Schaffen war meine Auseinandersetzung mit (hauptsächlich) deutschen Dichtern. In von mir veranstalteten poetischen Kreisen suchte ich das Gespräch. Zunächst in Erfurt, nach meinem Umzug nach Weimar Ende 2003 dann dort. Ich fand Lust am Rezitieren und baute das zu verschiedenen Programmen aus, die ich seit einiger Zeit auch öffentlich spreche (siehe Dichterisches). Nachdem ich 2006 als Sozialpädagoge tätig war, um einige Schulden zurückzahlen zu können, arbeitete ich seit 2007 auf eine freiberufliche Künstlerlaufbahn hin. Mittlerweile bin ich in Berlin wirtschaftlich selbstständig, verkaufe zu Ausstellungen oder auf Märkten und pflege hier den Kontakt zu verschiedenen künstlerischen oder philosophischen Persönlichkeiten.
Künstler-Biografie von Daniel Jankowski

